Datenstory · 16.7.2026
So heizt Düren: Mehr als drei Viertel der Gebäude hängen am Gas
Der Zensus 2022 hat erstmals für jede Gemeinde erhoben, womit Deutschland heizt. Für Düren zeigen die amtlichen Zahlen eine ungewöhnlich einseitige Abhängigkeit: 77,7 % der 21.656 Gebäude mit Wohnraum heizen mit Gas — Platz 8 unter den 84 Gemeinden des Kern-Rheinlands. Die Einordnung.
Amtliche Zahlen · Zensus 2022
So heizt Düren
Von 21.656 Gebäuden mit Wohnraum in Düren heizen 88,6 % mit Gas oder Heizöl (Rang 16 von 84 Gemeinden im Kern-Rheinland). Auf Solar-/Geothermie oder Wärmepumpen setzen erst 2,5 %.
- Gas
- 77,7 %
- Heizöl
- 10,8 %
- Fernwärme
- 2,3 %
- Strom (ohne Wärmepumpen)
- 4,2 %
- Holz, Holzpellets
- 1,4 %
- Solar-/Geothermie, Wärmepumpen
- 2,5 %
Basis: Gebäude mit Wohnraum, Stichtag 15.05.2022. „Solar-/Geothermie, Wärmepumpen" wird im Zensus als eine Kategorie erfasst; die Werte sind zum Schutz der Geheimhaltung leicht verändert. Quelle: Zensus 2022, Statistische Ämter des Bundes und der Länder (dl-de/by-2-0). Vergleich Region: 85,2 % fossil.
Die Zahlen
- 77,7 % Gas — deutlich über dem Regionsschnitt (66,3 %) und dem, was der Bund gewohnt ist. Zusammen mit 10,8 % Heizöl heizen 88,6 % der Dürener Gebäude fossil (Bund: 78,6 %).
- 2,5 % Solar-/Geothermie, Wärmepumpen — Rang 77 von 84. Selbst für den Zensus-Stichtag Mai 2022, also vor dem Förder-Boom, ist das wenig.
- 2,3 % Fernwärme, 4,2 % Strom-Direktheizung — Nischen, die den Gesamtbefund nicht ändern.
Warum Düren so gasabhängig ist
Drei Kräfte erklären den Befund. Erstens das Netz: Düren ist kompakt bebaut und früh ans Erdgasnetz angeschlossen worden — wo die Leitung in der Straße liegt, wurde beim Heizungstausch der letzten Jahrzehnte fast automatisch wieder Gas eingebaut. Zweitens das Baualter: Rund sieben von zehn Dürener Gebäuden stammen laut Zensus-Baualtersstatistik aus der Zeit vor 1980, gut ein Drittel allein aus dem Wiederaufbau der 1950er und 1960er — Baujahrgänge, deren Heizsysteme genau in den Gas-Boom-Jahrzehnten erneuert wurden. Drittens die Struktur: Als Mittelstadt mit dichtem Kern hat Düren wenig von dem Öl-Erbe der netzfernen Eifel-Dörfer — der Öl-Anteil (10,8 %) liegt klar unter dem Regionsschnitt (18,9 %).
Was das für Dürener Hausbesitzer bedeutet
Eine Drei-Viertel-Gas-Stadt trifft die CO2-Abgabe flächig: Sie verteuert die Kilowattstunde Gas planmäßig Jahr für Jahr — bei 16.837 betroffenen Gebäuden ist das keine Randnotiz, das ist die Stadt. Gleichzeitig ist die Ausgangslage für den Umstieg besser, als der niedrige Solar-/Geothermie/Wärmepumpen-Anteil vermuten lässt: Der Gebäudebestand ist überwiegend klassisch bebaut (Ein- und Zweifamilienhäuser, Reihenhäuser), für den moderne Wärmepumpen mit 65–75 °C Vorlauf auch ohne Komplettsanierung geeignet sind. Die KfW fördert den Tausch mit 30–70 % (Förder-Ratgeber). Wie Düren im Vergleich zu Nachbarkommunen dasteht, zeigt die interaktive Heizkarte des Rheinlands.
Methodik
Datenbasis: Zensus 2022 (Stichtag 15.05.2022), Regionaltabelle „Gebäude und Wohnungen" der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Zensusdatenbank, Lizenz dl-de/by-2-0), Basis Gebäude mit Wohnraum. „Solar-/Geothermie, Wärmepumpen" ist eine kombinierte Zensus-Kategorie; ein reiner Wärmepumpen-Anteil lässt sich nicht ausweisen. Zensus-Werte sind zum Schutz der Geheimhaltung leicht verändert. Zahlen zum Nachrechnen: alle 84 Gemeinden als CSV.
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